Anonyme Bewerbungen: wieso, weshalb, warum?

Anonyme Bewerbungen bieten zahlreiche Vorteile für Kandidat:innen und Unternehmen. Wie es genau funktioniert und was du beachten musst, erklären wir dir in unserem neuen Blogartikel.

Gesicht mit Masle
Wegen des "Attractiveness Glamour Stereotype" gelten attraktive Menschen als leistungsfähiger und intelligenter (Bildquelle: Guillermo Latorre/unsplash).

Der erstmalige Kontakt zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen  entsteht meistens über das Bewerbungsschreiben. Schnell entwickelt sich der erste Eindruck und ein Urteil darüber, ob der/die Kandidat:in geeignet ist. 

Oftmals findet diese Beurteilung aber nicht nur auf Basis der Qualifikationen und Berufserfahrung statt; vielmehr spielen unterbewusst weitere Faktoren eine bedeutende Rolle. Aussehen, Geschlecht und Herkunft sind nicht selten Auslöser für eine Ablehnung. Davor soll die anonyme Bewerbung schützen und für mehr Chancengleichheit sorgen.

Wie funktioniert eine anonyme Bewerbung?

Im Prinzip geht es darum, dass eine Person nicht erkenntlich ist und zunächst unklar ist wer genau hinter der Bewerbung steckt. Das gesamte Bewerbungsschreiben soll anonym sein und der erste Eindruck nur auf den beruflichen Qualifikationen, Abschlüssen und der Berufserfahrung basieren. Das Ziel dieser Form der Bewerbung ist es, dass bewusste und unbewusste Diskriminierung vermieden wird und mehr Fairness im Bewerbungsprozess herrscht.

Jetzt mal konkret, ich lasse also einfach meinen Namen weg?

Richtig; deinen Namen und jegliche Informationen, die Rückschlüsse auf deine Person zulassen. Dies bedeutet alle persönlichen Angaben, wie Name, Geschlecht, Geburtsjahr oder Staatsangehörigkeit etc. werden ausgeschwärzt oder komplett weggelassen. Auch Daten die Hinweise darauf geben könnten werden erst einmal nicht erwähnt. Hast du beispielsweise bereits die Wehrpflicht absolviert, kannst du das auch nicht angeben, da sonst Rückschlüsse auf dein Geschlecht möglich wären.

Warum soll ich mir den ganzen Aufwand machen?

Ob gewollt oder nicht, Personaler:innen können nicht komplett objektiv entscheiden und stecken Bewerber:innen in Schubladen; so funktionieren wir Menschen. Damit sind Vorurteile vorprogrammiert.

Wie entstehen Vorurteile?

Vorurteile entstehen im Gehirn, dies lässt sich durch die Angst vor dem Fremden erklären. Das menschliche Gehirn sympathisiert am meisten mit Menschen gleichen Aussehens und schreibt diesen eher positive als negative Eigenschaften zu;  Menschen fremden Aussehens eher negative.

Neben Furcht kann auch Frust als Auslöser von Vorurteilen gesehen werden; schlechte Erfahrungen mit bestimmten Menschen werden auf alle Personen mit dieser Eigenschaft übertragen und projiziert, oftmals geschieht dies sogar unbewusst.

Um die Umwelt besser zu verstehen, denken wir Menschen in Kategorien. Dieses Kategorisieren ist auch als sogenanntes Schubladen-denken bekannt. So können wir Menschen unsere Umwelt besser verstehen und schaffen Verbindungen zu bereits bekanntem

Es geht dabei aber nicht nur um rassistische Vorurteile, sondern um jeglicher Art von Diskriminierung und Benachteiligung. Frauen könnten schwanger werden, Menschen mit Übergewicht wirken weniger gesund und könnten deshalb öfter ausfallen, attraktive Personen sind eher sozial und intelligent, ältere Mitarbeiter bleiben eh nicht mehr lange im Unternehmen.

Du lachst vielleicht, aber genau in solchen Stereotypen denken Menschen und insbesondere Personaler:innen. Diese Denkfehler sind nicht zu leicht zu beseitigen und passieren eher unterbewusst.

Häufige Bias im Bewerbungsprozess

Es gibt viele verschiedene Biases, die unser Denken beeinflussen und sogar manipulieren; diese lassen sich auch im Bewerbungsgespräche nicht unterdrücken. Sehr häufig ist z. B. der Confirmation Bias, bei dem Personaler:innen Aussagen so interpretieren und hinterfragen, dass sie zu ihren eigenen Erwartungen und Vorstellungen passen. Beim Gender-bias schätzen Personaler:innen Menschen nach typischen Rollenbildern ein zum Beispiel männliche Bewerber eher dominant und stark.

Beim Haloeffekt werden von offensichtlichen Attributen, wie etwa ein Piercing oder Tattoos, Rückschlüsse auf die Person gezogen.

Deshalb lohnt sich der Aufwand, ein paar personenbezogene Daten wegzulassen, auf jeden Fall, um so nicht sofort einer Kategorie zugeordnet zu werden und die klassischen Denkfehler zu umgehen. Denn auch wenn du keiner Minderheit angehörst oder bisher selten oder gar keine Diskriminierung erfahren hast, kannst du Opfer der Voreingenommenheiten und des unbewussten Denkens der Personaler:innen werden.

Warum brauchen wir anonyme Bewerbung?

Aushebeln von Vorurteilen

Womöglich ist es dir noch nicht passiert oder du hast es nicht mitbekommen, aber Diskriminierung im Bewerbungsprozess ist gang und gäbe und um dagegen zu wirken, lohnt sich die anonyme Bewerbung nicht nur, sie ist sogar dringend notwendig.

Chancengleichheit

In einer so diversen Gesellschaft wie sie heutzutage existiert, sollten alle Menschen die gleichen Chancen haben und keiner aufgrund seines Geschlechts, Herkunft oder Alter benachteiligt werden. Um dieser Fairness und Gleichheit ein Schritt näherzukommen, sollten Qualifikationen ausschlaggebend sein, nicht wie ein/e Bewerber:in aussieht oder heißt.

Es ist kein Selbstzweck Menschen verschiedenen Geschlechts, Herkunft oder Alter zu mischen. Die Forschung zeigt, dass diverse Teams bessere Leistungen und Produkte hervorbringen als homogene Teams.

Effizienz und Vergleichbarkeit

Die anonymen Bewerbungsschreiben bieten mehr Vergleichbarkeit als herkömmliche, denn so können Personaler:innen die ausschließlich relevanten Informationen im Vergleich  zueinander beurteilen. Dies bringt wiederum mehr Effizienz und ermöglicht es viele verschieden Bewerbungen, in einem kurzen Zeitraum, zu sichten.

Vielfalt

Durch die Anonymisierung wird die Vielfalt der Bewerber:innen gefördert, da keine Gruppe bewusst oder unbewusst ausgeschlossen wird. Dadurch können sich auch neue Bewerbergruppen erschließen.

Wieso ist anonyme Bewerbung noch nicht überall etabliert?

Die Vorteile liegen klar auf der Hand und so wie es scheint, könnte die Anonymisierung für mehr Fairness auf dem Arbeitsmarkt sorgen. Dennoch findet man sie nur selten vor. Denn auch wenn diese Form der Bewerbung zahlreiche Vorteile mit sich bringt, birgt die anonyme Bewerbung auch Probleme und Herausforderungen, die einige Personaler:innen davon abhält sie überhaupt zu nutzen.

Aufwand

Eine anonyme Bewerbung setzt eine bestimmte Stellenausschreibung voraus, welche auf die gewünschte Anonymität hinweist und womöglich sogar ein bestimmtes Formular zur Bewerbung bereitstellt, in dem nur die notwendigen Informationen anzugeben sind.

Auf den ersten Blick kann es so wirken als würde die anonyme Bewerbung der/dem Personaler:in mehr Aufwand bereiten, wenn man sich aber genauer mit dieser Art der Bewerbung beschäftigt wird deutlich, dass der/die Personaler:in sich selbst von Denkfehlern befreit und allein auf den Qualifikationen basierend entscheidet.

Lücken

Wie bereits erklärt soll das Bewerbungsschreiben komplett anonym sein, dies kann allerdings zu Lücken und im Lebenslauf und Motivationsschreiben führen. Aber keine Sorge; Personaler:innen stellen sich darauf ein und wissen, dass es dazu kommen kann.

Verschiebung der Diskriminierung

Ein großer Kritikpunkt der anonymen Bewerbung ist, dass die Diskriminierung nur in die nächste Phase geschoben wird und Personaler:innen beim Bewerbungsgespräch in ihre alten Denkmuster verfallen und sich von klassischen Stereotypen beeinflussen lassen.

Das ist möglich und kaum zu vermeiden. Jedoch wird die Tatsache, dass Bewerber:innen aufgrund der Qualifikationen eingeladen wurden im Vordergrund stehen und die Personaler:innen daran erinnern, dass der/die Bewerber:in für die Stelle geeignet ist.

Nicht immer möglich

Es gibt einige Stellen, bei denen die Persönlichkeit der Bewerber:innen ausschlaggebend ist. Stellenausschreibungen für Führungskräfte und in kreativen Branchen setzen beispielsweise sehr auf die passende Persönlichkeit. Ebenso ist der Einstieg für Berufsanfänger:innen mit kaum Erfahrung erschwert, da diese eher durch ihre Persönlichkeit überzeugen können.

Diese kann aber auch im Bewerbungsgespräch gezeigt werden, denn Personaler:innen laden oftmals mehrere Bewerber:innen zu Gesprächen ein und entscheiden anschließend wer am besten für die ausgeschriebene Stelle geeignet ist.

Wie kann ich anonyme Bewerbung ausprobieren?

Bist du gerade dabei dich auf eine neue Stelle zu bewerben? Dann ist es nicht ratsam einfach eine anonyme Bewerbung zu schicken, wenn nicht ausdrücklich nach dieser gefragt wird. Womöglich verschaffst du dir eher selbst einen Nachteil, wenn du Lücken im Lebenslauf und Motivationsschreiben hast.

Du kannst aber ausschließlich nach Unternehmen suchen, die sich klar gegen Diskriminierung positionieren und eine anonyme Bewerbung wünschen oder du probierst GETMEFOR aus und erlebst eine neue Art der anonymen Bewerbung.

Oder suchst du nach neuen passenden Mitarbeitern und denkst darüber nach ein anonymes Bewerbungsverfahren einzuleiten? Dann probiere doch mal gerne GETMEFOR aus. 

Melde dich hier an und sei dabei, wenn GETMEFOR 2021 startet.

Denn GETMEFOR funktioniert so: Kandidat:innen legen sich ein anonymes Profil, mit ihren Ansprüchen an einen Job, an. Danach bewerben sich Unternehmen mit konkreten Angeboten bei ihnen. Erst wenn die Kandidat:innen die Anfragen annehmen, können Unternehmen das vollständiges Profil bewundern und auf dieses bieten. Durch das Auktionsprinzip findet jeder was er sucht. Die Mitarbeiter mit den passenden Qualifikationen und den Job mit dem besten Gehalt, den meisten Urlaubstagen oder der größten Freiheit. Du entscheidest was wichtig für dich ist. Sehr einfach, oder?!

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